Reinhold Otto Mayer Preis

Der mit 50 000 EUR dotierte Reinhold Otto Mayer Preis wird alle zwei Jahre für ein herausragendes Werk im Bereich der performativen Künste, insbesondere Musiktheater und Schauspiel vergeben.
Ziel ist es laut Satzung der Stiftung, neue deutschsprachige Werke in diesen Bereichen zu fördern und zu initiieren. Die Reinhold Otto Mayer Stiftung arbeitet für jede Preisvergabe mit einem jeweils neuen Kooperationspartner zusammen, mit dem sie die Ausschreibung und Preisverleihung gestaltet und das Preisträgerstück zur Uraufführung bringt.
 
Erster Kooperationspartner der Stiftung für den mit 50 000 EUR dotierten Reinhold Otto Mayer Preis, der als Werkauftrag vergeben wird, ist die Junge Oper im Nord / JOiN der Staatsoper Stuttgart. Die Preisträgerarbeit wird im Juni 2022 am JOiN uraufgeführt, die Preisverleihung findet am 16. Oktober 2021 in Stuttgart statt. Der Preis 2021 wird für ein neues deutschsprachiges Musiktheaterwerk verliehen, das noch nicht aufgeführt wurde und sich an junge Menschen ab 16 Jahren richtet. Thematisch war der Melusinenmythos in der Ausschreibung vorgegeben.
 
Auf die Ausschreibung erhielt die Stiftung 37 Bewerbungen aus Europa von bereits etablierten und NachwuchskünstlerInnen, von denen sich die meisten im Team bewarben. (PDF Pressemitteilung)
 

Preisträgerinnen

Die Preisträgerinnen für den ersten Reinhold Otto Mayer Preis stehen fest: aus einer Vielzahl hochqualifizierter Bewerbungen wählte die Jury die Arbeit „MELUSINE. Was machst du am Samstag?“, eine hybride Monsteroper für Menschen ab 16 Jahren, der Komponistin Catalina Rueda und Librettistin Lisa Pottstock aus Hamburg aus.
 
Die mittelalterliche Melusinen-Sage wird beim Preisträgerwerk von Catalina Rueda und Lisa Pottstock mit dem feministischen und queeren Kampf um das Recht auf die Selbstbestimmung des eigenen Körpers verknüpft. Dass Melusine ihren mehrdeutigen Körper geheim halten muss, um in menschlicher Gesellschaft zu leben, ist für die beiden Preisträgerinnen das mythologische Motiv, dessen politische und soziale Konsequenzen bis in die Gegenwart reichen. Der mehrdeutige Körper, der sich verändert und umgestaltet, wird in der patriarchalen, heteronormativen Gesellschaft zensiert. Oder eben zum Monster gemacht. Dieses Motiv wird in der Neubearbeitung des Melusinen-Mythos durch die Preisträgerinnen auf formaler und inhaltlicher Ebene umgekehrt: die ‚hybride Monsteroper‘ soll durch frei bewegliche Akte selbst ein mehrdeutiger Körper werden, der nicht geheim bleibt, sondern hörbar, sichtbar und gestaltbar wird. In jeder einzelnen Vorstellung könnte die Oper eine veränderte Gestalt annehmen.
 
Die Oper besteht aus sechs in ihrer Reihenfolge variablen Akten (‚Einblicke‘), die durch fünf Intermezzi verbunden werden. Auch letztere folgen dem Prinzip des sich verändernden Körpers: als Vorlage dient das mittelalterliche Rondo „Fumeux Fume“ des Komponisten Solage, das von Mal zu Mal kompositorisch verfremdet wird. Die ungewöhnlichen rhythmischen und tonalen Sequenzen des Rondos führen zu einer mehrdeutigen Harmonik, die einen antreibenden musikalischen Charakter hat. Literarisch und popkulturell inspiriert ist das Opernkonzept der Preisträgerinnen von Viginia Woolf und Billie Eilish.
 

Fotografie Heide Benser

Die Komponistin Catalina Rueda wurde 1989 in Bogotà, Kolumbien, geboren und lebt seit 2011 in Hamburg, wo sie derzeit im Masterstudiengang Komposition bei Gordon Kampe studiert. Neben ihrer kompositorischen Arbeit widmet sie sich auch der Improvisation und Performance mit Klavier und Gesang. Beeinflusst von Volks-, Tanz- und elektronischer Musik entfaltet sich ihre musikalische Sprache im akustischen Raum, eingebettet in einer sequenziellen Harmonik, die nicht müde wird, neue Kontexte zu schaffen für Melodie und Erzählung. 2016 erhielt sie beim ACHT BRÜCKEN Festival in Köln den zweiten Preis für ihr Vokalsextett Duo Seraphim. Im gleichen Jahr erhielt sie das Deutschlandstipendium und ein Abschlussstipendium des DAAD. Zwischen 2017 und 2020 arbeitete Catalina Rueda u.a. mit der Filmregisseurin Anett Stenzel, dem Regisseur Mien Bogaert, dem Asian Art Ensemble, den Ensembles Mirror Strings und KNM Berlin, dem Theaterorchester Aachen und den Kölner Vokalsolisten zusammen. Die Duisburger Philharmoniker beauftragten sie Ende 2020 mit der Komposition eines Liederzyklus, der auf Gedichten von Steffen Popp basiert.

 

Fotografie Marie Pottstock

Die 1991 geborene Librettistin Lisa Pottstock studierte Philosophie in Leipzig und wurde dort studiumsbegleitend zur Chorleiterin ausgebildet. Sie war Mitglied und Chorleiterin der Singkompanie Mayröcker. Seit 2018 studiert sie Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Sowohl in ihrem Schreiben als auch ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sie die Gesangsstimme. Für ihren philosophischen Essay „Atmen muss ich sowieso“, der in der Philosophie des Singens im mairisch Verlag erschien, wurde sie mit dem Krista-und-Rüdiger-Warnke-Förderpreis ausgezeichnet. 2020 brachte sie Der gestrandete Sopran im Hamburger Sprechwerk zur Aufführung, eine Stückentwicklung zur kulturellen Geschichte der hohen Stimme. Im gleichen Jahr erarbeitete sie eine musiktheatrale Performance zu den Texten Die Fragwürdigen der Schweizer Autorin Judith Keller.
 

 
FinalistInnen

Die FinalistInnen des Wettbewerbs waren (in alphabetischer Reihenfolge der KomponistInnen):
 
Sara Glojnarić und Jasmin Schädler: „Mel-U-Sin-Al“
 
Ole Hübner und Thomas Köck: „mighty melusine (haut und moral) - eine verliereroper“
 
Helga Pogatschar und Josef Bairlein: „Melusinen“
 
Lorenzo Romano, Dagrun Hintze und Ron Zimmering: „THANX TO THE MONSTER. Ein doku-fiktionales Musiktheater über Melusines Erb*innen“

 
Jury

Prof. Sebastian Baumgarten, Leiter des Studiengangs Regie an der Bayerischen Theaterakademie August Everding
 
Dorothea Hartmann, Stellvertretende Chefdramaturgin der Deutschen Oper Berlin sowie Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Tischlerei
 
Matthias Klink, Kammersänger Staatsoper Stuttgart
 
Christine Lemke-Matwey, Stellv. Ressortleiterin Feuilleton, DIE ZEIT
 
Dr. Regula Rapp, Rektorin der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
 
Prof. Dr. Matthias Rebstock, Institutsleiter Szenische Musik, Universität Hildesheim
 
Elena Tzavara, Künstlerische Leiterin des JOiN
 
 
 


Ausführliche Informationen zur ersten Ausschreibung zum Download finden Sie hier:


 

Die Stiftung bearbeitet keine individuellen Förderanträge. Bitte sehen Sie von entsprechenden Anfragen ab.

Unsere Partner

Logo KunstwerQ


 
Impressum | Datenschutzerklärung